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Schwangere Männer: Das Couvade-Syndrom

Eine Schwangerschaft ist sicherlich eines der einschneidensten Erlebnisse im Leben einer Frau. Abgesehen von der Freude auf den zukünftigen Erdenbürger und die dazugehörenden Vorbereitungen hat sich die werdende Mutter insbesondere auch mit den körperlichen Veränderungen auseinanderzusetzen. Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Erbrechen und natürlich der anwachsende Bauch gehören ebenso in die Zeit vor der Geburt wie der Erwerb von Babystramplern und Nuckelflaschen. Besonders die ersten Wochen der Schwangerschaft können in dieser Hinsicht sehr belastend sein; wer jedoch meint, dass dies allein die Bürde der Frauen ist, der täuscht sich: Männer, deren Frauen ein Kind erwarten, können ebenfalls die typischen Schwangerschaftssymptome aufweisen.

Dieses Phänomen nennt sich Couvade-Syndrom. Der Begriff Couvade ist dem Franzöischen entlehnt, "couver" bedeutet soviel wie "ausbrüten" oder "liebevoll betreuen". Betroffen sind vor allem sensible und mitfühlende Partner, die in dieser aufreibenden Lebensphase zu "Sympathieschmerz" und sogenannten Parallelschwangerschaften neigen. Wer also einem Mann mit schwellendem Bauch, Kopfschmerzen und Erbrechen begegnet, sollte dies nicht zwangsläufig auf übermäßigen Alkoholkonsum zurückführen, sondern auf eine besondere Solidarität der einfühlsamen Männer mit ihren Frauen. Sie identifizieren sich derart mit dem Schwangersein und versetzen sich so sehr in die Lage ihrer Partnerin, dass sie deren Beschwerden übernehmen. Selbst hormonelle Veränderungen sind bei diesen Männern nachzuweisen, die sogar zu Weinkrämpfen oder extremen Glücksgefühlen führen können.
Für das Couvade-Syndrom gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Neurowissenschaftler etwa haben mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztherapie erkannt, dass die Spiegelneuronen eine Rolle für die Entwicklung der schwangerschaftstypischen psychosomatischen Beschwerden der Männer spielen. Demnach löst allein die Beobachtung der Schwangerschaft in den Nervenzellen des männlichen Gehirns eine spiegelbildliche Handlung aus.

Viele Ursachen des Syndroms sind auch in dunklem Unterbewusstsein des Mannes verankert. So kompensieren Männer mit ihrer "Scheinschwangerschaft" auch ihren Gebärneid. Da Männer selber keine Kinder zur Welt bringen können und dieses Erlebnis auch den Frauen nicht gönnen, möchten sie zumindest die Schwangerschaft nachempfinden und damit Teil der Entwicklung sein, die die Frau durchläuft. In diesem Zusammenhang sind auch mögliche unbewusste Ängste und aggressive Gefühle der Männer zu berücksichtigen. Das ungeborene Kind wird als Rivale betrachtet, an den der Vater seine Partnerin verlieren könnte. Diese negativen Gefühle werden dann mit einer überengagierten und emotionalen Haltung kompensiert, die sich im Mitleiden äußert.

Besondere Bedeutung im Hinblick auf das Couvade-Syndrom kommen den weiblichen Sexuallockstoffen zu: Während der Schwangerschaft verändert sich der Hormonhaushalt einer Frau, die so entstehenden Pheromone beeinflussen den Hormonspiegel der Männer besonders stark. Ebenso wie bei der Frau verändern sich beim werdenden Vater die Mengen an Östradiol, Testosteron und Cortisol.

Sinn hat diese Co-Schwangerschaft auf jeden Fall und sie bietet in den meisten Fällen trotz der mitunter heftigen Symptome kein Grund zur Sorge: Durch die Entwicklungen, die der Mann durchläuft und die damit zusammenhängenden hormonellen Veränderungen wird sein sogenanntes Brutpflegeverhalten positiv beeinflusst. Der Mann entwickelt eine besonders tiefe Bindung zu seinem ungeborenen Kind, die sich auch nach der Geburt fortsetzt. Das Couvade-Syndrom wirkt sich also auf die väterliche Fürsorge aus, schließlich passen sich die Männer bereits während der Schwangerschaft an die zukünftige Vaterrolle an.